10 Fragen an Carolina Müller-Möhl

1. Warum sind Sie Unternehmerin mit einer Investmentgesellschaft geworden?

Das war vor acht Jahren. Nach dem Unfalltod meines Mannes musste ich entscheiden, was mit mir und mit dem Unternehmen geschehen sollte. Mich aus unseren Engagements davonzustehlen, kam nicht in Frage. Die Verantwortung für die Familie wie auch für die Unternehmen, in die wir investiert hatten, war zu gross. Also nahm ich die Herausforderung an. Wir haben inzwischen bei massgeblichen Beteiligungen in Verwaltungsräten deutliche Akzente setzen können und zudem eine für uns angemessene Anlagestrategie entwickelt und umgesetzt.

2. Wenn nichts unmöglich wäre, was ist Ihr Traumjob?

Kühne Träume habe ich immer mal wieder, und das wird hoffentlich noch lange so bleiben! Zu meinen alten Träumen gehört es, «political documentaries» zu machen. Grundsätzlich bin ich aber mit meinem Berufsleben sehr zufrieden, denn ich kann in meiner täglichen Arbeit verwirklichen, was mir wichtig ist: Unternehmerisches Handeln mit gesellschaftspolitischem Engagement verbinden.

3. Was mögen Sie nicht an Ihrer Branche?

Speziell die Finanzbranche leidet oft an zu grosser Oberflächlichkeit. Dass hinter den Zahlen immer auch Unternehmen, Menschen, eine ganze Gesellschaft mit ihren ethischen Fragen stehen, kann leicht vergessen gehen. Jede Branche hat solche Kurzsichtigkeiten, nur sind sie hier, wie die jüngste Finanzkrise zeigt, verheerend. Mein Beitrag kann also darin bestehen, Entscheidungen vorzubereiten und mitzutragen, die nachhaltig sind.

4. An welches Ereignis in Ihrer Karriere erinnern Sie sich am liebsten?

Aus jüngerer Vergangenheit ist mir ein unternehmerischer Entscheid in sehr positiver Erinnerung. Es ging darum, eine Beteiligung mit Perspektiven, die wir über zehn Jahre aktiv begleitet und entwickelt hatten, nach dem «best owner»-Prinzip in die Partnerschaft mit einem Branchenführer einzubringen. Dadurch konnte die Basis geschaffen werden, um das Potential für weiteres profitables Wachstum und substantielle Synergien zukunftssichernd zu nutzen. Gerne erinnere ich mich auch an Momente, in denen sichtbar wird, dass sich mein gesellschaftspolitisches Engagement gelohnt hat und ich den Erfolg und die Begeisterung darüber mit anderen teilen kann – wie beispielsweise, als wir die Abstimmung zur Zürcher Volksschulreform mit 70 Prozent Ja-Stimmen gewonnen hatten.

5. Was war Ihr grösster Fehlentscheid?

Fehlentscheide sind ja deshalb so ärgerlich, weil sie meist im Kleinen beginnen und man sie zu spät bemerkt. Aber wer Entscheidungen fällt, trifft eben auch einmal die Falsche. Aus jedem Fehler etwas zu lernen, ist das entscheidend Wichtige im Berufsleben.

6. Welche Persönlichkeit hätten Sie schon immer einmal gerne getroffen?

Den Philosophen Peter Bieri, der mich inspiriert, Alice Schwarzer, deren Kampf für Gleichstellung immer noch nicht zu Ende ist, Warren Buffet, von dem man als Investor lernen kann, Rania von Jordanien, die Prominenz mit Glaubwürdigkeit zu verbinden weiss, Muhammad Yunus, der aufzeigen kann, dass kommerzielle und entwicklungspolitische Ziele keine Widersprüche sein müssen, und Herbie Hancock, dessen Jazzmusik zeigt, dass man zugleich virtuos und fröhlich sein kann.

7. Worüber können Sie sich ärgern?

Über Arroganz und Intoleranz, über Schmalspurigkeit und dummes Geschwätz. Und über meine manchmal etwas sehr direkte Ehrlichkeit anderen Menschen gegenüber.

8. Wie erholen Sie sich am besten vom Stress?

Besser ist natürlich Stressprävention! Und die beginnt damit, dass ich häufiger Nein sage, wenn ich die nächsten Monate verplanen muss.

9. Was zeichnet die Schweizer Wirtschaft aus?

Dass wir ein innovatives Land mit einer hohen Quote von etablierten Unternehmerinnen und Unternehmern sind. Ich bin stolz auf gesellschaftliche, politische und kulturelle Rahmenbedingungen, die das ermöglichen. Aber es ist auch kennzeichnend für uns, dass wir manchmal die Aufgabe verpassen, diese Bedingungen laufend anzupassen und zu verbessern. Hinsichtlich der gleichen Chancen für Mann und Frau im Beruf müssen wir deutlich besser werden.

10. Was wünschen Sie sich für die Schweiz?

Bildung, Bildung und nochmals Bildung. Sie ist die Ressource, aus der unsere Selbstbestimmung und unser Wohlstand entstehen. Sie verbindet Leistung mit Verantwortung, Freude an sich selber mit dem Engagement für andere. Nur eine gebildete Schweiz wird es schaffen, sich selbstbewusst in die Europäische Integration und die Globalisierung einzubringen.

© 2008 «Unternehmerzeitung»

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