Den Vätern sei dank!

Ein Lob auf all die Männer, die für ihre Kinder da sein wollen

An dieser Stelle haben Sie schon öfters darüber gelesen, welche Verschwendung es aus meiner Sicht ist, wenn top ausgebildete Frauen nach einem teuren Studium aus dem Arbeitsleben ausscheiden, sobald sie Mütter geworden sind. Da liegt nicht nur ein großer Talentpool trocken, auch ökonomisch betrachtet, ist dieser Ausstieg unsinnig. Im Kern geht es immer um das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Liegt der Schlüssel zu diesem Problem am Ende bei den Männern, genauer bei den Vätern? Was kaum jemand weiß: In der Schweiz wurden sie am 1. Juni gefeiert, am Vatertag. Nehmen wir diesen Feiertag, zum Anlass, nach den neuen Vätern zu suchen.

Fakt ist: Es gibt sie. Sogar auf den obersten Führungsetagen. Ziemlich genau vor einem Jahr gab der Schweizer Shell-CEO Peter Voser bekannt, er werde in der ersten Hälfte 2014 von seinem gut bezahlten und prestigeträchtigen Posten zurücktreten. Nicht weil die Zahlen nicht stimmten – im Gegenteil! – auch nicht, weil ein Skandal Shell erschüttert hätte, sondern einfach, weil Voser seinen Lebensstil ändern wollte. Er wünscht sich mehr Zeit für seine Familie.

Bald darauf kündigte ABB-Konzernchef Joe Hogan an, er trete von seinem Posten zurück. Die Gründe waren auch hier privat. Er wolle in die USA zurück und nicht mehr so oft von der Familie getrennt sein. Sofort wurde atemlos über die wahren Gründe des Rücktritts spekuliert, weil es im medialen Bewusstsein keinen Platz hat für die simple Tatsache, dass auch sehr erfolgreiche Männer in ihrer Familie präsent sein wollen.

Voser und Hogan sind sehr prominente Beispiele für eine Entwicklung, die mittlerweile auf allen Stufen zu beobachten und vor allem sehr zu begrüßen ist. Immer mehr Vätern genügt es nicht mehr, ihren Kindern spät am Abend einen Gutenachtkuss auf die Backe zu drücken. Die Zahl Teilzeit arbeitender Männer in der Schweiz ist im letzten Jahr um 23 000 Personen gestiegen, so stark wie seit 2010 nicht mehr. Heute haben rund 14,7 Prozent der erwerbstätigen Männer eine Teilzeitstelle.

Solche Zahlen freuen mich, ebenso wie die Bestrebungen von männer.ch, des Dachverbandes der Schweizer Männer- und Väterorganisationen. Mit ihrem Projekt »Der Teilzeitmann « wollen sie erreichen, dass bis 2020 jeder fünfte Mann Teilzeit arbeitet. Die Vorteile sind bekannt: Sie gelten als besonders motiviert, leisten viel, sind flexibel, belastbar und stark im Organisieren.

Dass Karrierewege flexibler werden müssen, davon ist auch Gudrun Sander überzeugt. Der Teilzeitmann sei das A und O für den beruflichen Erfolg seiner Partnerin, sagt die Diversity-Spezialistin. Sie hat das Management-Diplomprogramm »Women back to Business« konzipiert und weiß aus eigener Erfahrung, was es heißt, wenn ein Paar ein partnerschaftliches Modell lebt. Letztlich hätten alle davon profitiert, sagt Sander: Sie selbst, die drei Kinder und auch ihr Ehemann, der nicht in der endlosen Galerie der »abwesenden Väter« enden wollte.

Darum: Herzlichen Dank, liebe Väter! Sie sind unverzichtbare Vorbilder auf dem Weg zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Und damit zu gelebter Gleichberechtigung.

 

Zurück zur Auswahl