Meine Meinung: Tiefgang mit Stil

Die Modeindustrie ist schnelllebig, oberflächlich und wenig nachhaltig. So die gängige Meinung. In vielen Fällen stimmt das wohl. Sicherlich aber nicht in allen. Eine besondere Ausnahme ist Diane von Furstenberg. Wir kennen sie alle, ihre zeitlosen Wickelkleider. Knitterfrei, sind sie die ideale Begleitung auf Businessreisen, wenn es nach der Sitzung noch zum Geschäftsdinner geht.

Aber nicht nur ihre Kleider sind legendär. Diane von Furstenberg selbst ist eine Legende. Und eine der einflussreichsten und innovativsten Geschäfts¬frauen unserer Zeit. Ihre Erfolgsgeschichte begann mit einem Koffer voller Wickelkleider und einer Vision. In ihrer Autobiografie «The Woman I Wanted to Be» schreibt Furstenberg, dass sie schon immer eine Frau sein wollte, die selbstständig ist und keinen Mann braucht, um ihre Rechnungen zu zahlen.

Was nur wenige wissen: Sie ist auch eine engagierte Philanthropin. Vor sechs Jahren hat die Modeschöpferin unter der Schirmherrschaft der Familien¬stiftung die DVF Awards ins Leben gerufen. Damit ehrt und fördert sie aussergewöhnliche Frauen, «die den Mut haben zu kämpfen, die Kraft zu überleben und das Feuer zu inspirieren». Und das haben sie tat¬sächlich, die Preisträgerinnen. Davon – welch Privileg – konnte ich mich an der diesjährigen Preisverleihung am Hauptsitz der Vereinten Nationen überzeugen. Im Rahmen des Women-in-the-World-Gipfels war ich Anfang April nach New York eingeladen. Gemeinsam mit Persönlichkeiten wie Laura Bush, Ayaan Hirsi Ali, Christine Lagarde und Meryl Streep.

Nach der Konferenz ging es zur Verleihung der DVF Awards. Natürlich hatte dieser Event alle Zutaten einer glamourösen Modeschau: eine exklusive Location mit Blick auf den East River, eine Schar illustre Gäste sowie unzählige Instagram-Momente. Das Thema des Abends machte klar, dass hier nicht fantasievolle Kleider gefeiert wurden, obwohl einige der Geladenen Kreationen der Gastgeberin trugen. Vielmehr wurden die Scheinwerfer auf Frauenpower gerichtet. Fünf bemerkenswerte Frauen wurden mit je 50 000 Dollar Preisgeld belohnt. Unter ihnen Martine Rothblatt, höchst erfolgreiche Unternehme-rin, Pharma-Tycoon, Philosophin und als Mann gebo¬ren. Sie erhielt eine Auszeichnung für ihr Lebenswerk und ihr Engagement für die LGBT-Bewegung, die sich für die Gleichberechtigung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender einsetzt. Allen, die mehr über sie erfahren möchten, empfehle ich wärmstens den TED-Talk, in dem Rothblatt ihre eindrückliche Geschichte erzählt.

Trotz der ernsten Thematik des Abends war die Energie im Raum höchst positiv, die Atmosphäre entspannt. Das mehrheitlich weibliche Publikum fläzte sich auf weissen Ledersofas und balancierte geschickt Champagnerglas und Teller mit Quinoa und Poulet. Die meisten Unterhaltungen drehten sich um die inspirierende Kraft von Diane von Furstenberg und ihren Rat an junge Frauen: «Jede Frau ist stark. Aber zu oft bleibt diese Eigenschaft leider verborgen. Frauen sollten diese Stärke nicht nur angesichts von Not oder Tragödien zeigen.»

Ich meine: Tiefgang und Nachhaltigkeit können auch ein modisches Gesicht haben!

 

Erschienen in der annabelle am 31. August 2016

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