Wenn Bienenköniginnen ihren Stachel ausfahren

Eine Kolumne von Carolina Müller-Möhl


Es gibt ein faszinierendes Phänomen, wenn es um das Verhalten von Frauen in Führungspositionen geht: Um bestimmte – tatsächliche oder herbeigeredete – weibliche Muster zu beschreiben, werden Vergleiche aus dem Tierreich bemüht. Sicher haben Sie schon von der typischen «Stutenbissigkeit» unter Frauen gehört oder gelesen. Viel häufiger wird heute aber das sogenannte «Queen-Bee-Syndrom» diskutiert.


Es besagt, dass «Bienenköniginnen» auf der obersten Führungsebene besonders hart sind im Umgang mit Mitarbeiterinnen und den Aufstieg anderer Frauen bewusst erschweren. Den Begriff geprägt hat eine Studie der Universität Michigan, die 1973 beschrieb, wie Frauen in männlich dominierten Berufen versuchen, ihre Position als einzige Frau zu verteidigen, indem sie andere Frauen daran hindern, den gleichen Weg zu gehen.


Die Forschung ist inzwischen nicht stehen geblieben und je nach Übungsanlage – wen wundert es – sind die Resultate sehr gegensätzlich. Eine Befragung von 1000 Frauen durch die American Management Association ergab 2011, dass sich 95 % der Befragten schon einmal von anderen Frauen an ihrer Karriere gehindert gefühlt hatten. Vier Jahre später kam die Columbia Business School, die sich seit 20 Jahren mit dem «Queen-Bee-Syndrom» befasst, dagegen zum Schluss, dass Frauen dort bessere Chancen auf eine Karriere haben, wo die CEO eine Frau ist.
Auch wenn Befragungen zu widersprüchlichen Ergebnissen kommen, scheint es, dass die Generation von Bienenköniginnen, die ihre Rivalinnen fernhalten wollen, langsam ausstirbt. Konstant ergaben neuere Untersuchungen nämlich, dass nur die ältere Generation von Frauen auf den obersten Etagen eifersüchtig über die eigene Machtposition wachte.


Eine aktuelle systematische Umfrage der Credit Suisse bei 3400 Unternehmen weltweit brachte ans Licht, dass weibliche CEOs im Durchschnitt 50 % häufiger als ihre männlichen Kollegen eine CFO und 55 % häufiger eine Leiterin einer Business Unit einsetzen.


Das sind «good news». Denn obwohl ich durchaus und immer mal wieder Frauenfeindlichkeit erlebe – und die erste Generation von Frauen, die es an die Spitze schaffte, wenig tat, um Kolleginnen nachzuziehen –, wurde ich mehrheitlich von Männern behindert. Zum Beispiel von Mitgliedern in männlich dominierten Nominationsgremien, die mit eigenständigen Frauen und einer Diskussion auf Augenhöhe nach wie vor Probleme haben. Wie nennt man eigentlich dieses Phänomen in der Tierwelt?

Erschienen in der Women in Business am 16. Dezember 2016

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